Tauchabenteuer zwischen Ćevapčići und Kärnternudeln
Eigentlich hätte diese Reise beinahe nie stattgefunden. Kurz vor der Abfahrt kam die Nachricht, dass bei der ursprünglich geplanten Tauchbasis in Kroatien der Motor vom Schiff kaputt war. Perfektes Timing natürlich. Die Stimmung schwankte irgendwo zwischen „Das wird nix mehr“ und „Vielleicht gehen wir doch einfach alle arbeiten“.
Doch dann kam Davor und Valentina von Diving Center Shark Medulin um die Ecke und rettete unseren Urlaub in letzter Minute. Statt Absage gab es plötzlich ein Upgrade deluxe. Aus Mobile Home am Campingplatz wurde eine Villa mit Pool und statt nach jedem Tauchgang wie gestrandete Robben mühsam aufs Boot zu klettern, wartete ein Boot mit Lift auf uns. Luxus pur also. Beschwerden gab es danach keine mehr.
Mit dabei waren Stefan K., Bernhard H., Georg S., Sabine W., Dominik L., Dominic S. und Philipp L. Eine Truppe, die es schafft, einen ganzen Urlaub lang nur Blödsinn zu reden und sogar einen Gefängnisseelsorger in die Verzweiflung zu treiben.
Wracktauchen in Medulin (Kroatien)
In Medulin stand fast alles im Zeichen von Wracks. Alte Schiffe, spannende Geschichten und jede Menge Metall am Meeresgrund. Genau unser Ding.
Varese
Die Varese war eines der ersten Highlights der Woche. Der italienische Frachter wurde bereits 1870 gebaut und sank im Januar 1915 während eines starken Bora Sturms nahe Pula in einem Minenfeld. Heute liegt das beeindruckend gut erhaltene Wrack in bis zu 41 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund.
Unter Wasser warteten riesige Drachenköpfe, Muränen und gewaltige Fischschwärme auf uns. Mit etwas Glück konnte man sogar einen Katzenhai entdecken. Zwischen den Wrackteilen herrschte ständig Bewegung und man wusste oft gar nicht, wohin man zuerst schauen sollte.
Draga
Die Draga war ursprünglich ein Sandbaggerschiff und sank in den 1960er Jahren nach schlechtem Wetter und Überladung. Heute liegt das Wrack in 34 bis 37 Metern Tiefe nahe Pula.
Der Tauchgang war perfekt zum entspannten Erkunden. Zwischen den Metallteilen versteckten sich Oktopusse und allerlei Meeresbewohner. Besonders angenehm war die ruhige Atmosphäre am Wrack. Wobei „ruhig“ natürlich relativ ist, wenn sieben Taucher gleichzeitig versuchen das perfekte Foto zu machen.
Baron Gautsch
Der absolute König unter den Wracks. Die Baron Gautsch wurde 1908 als luxuriöses Passagierschiff gebaut und später im Ersten Weltkrieg als Truppentransporter eingesetzt. Am 13. August 1914 lief das Schiff nahe Pula in ein Minenfeld und sank innerhalb von nur sieben Minuten.
Heute liegt das beeindruckende 89 Meter lange Wrack in Tiefen zwischen 28 und 39 Metern und zählt zu den bekanntesten Tauchplätzen der gesamten Adria. Schon beim Abstieg bekam man Gänsehaut, als langsam die riesige Silhouette aus dem Blau auftauchte. Ein Wrack mit Geschichte, Atmosphäre und genug Fotomotiven für mehrere Speicherkarten.
Jon Gilmor
Die Jon Gilmor gilt vermutlich als eines der ersten in Istrien versenkten Schiffe zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Das in England gebaute Handelsschiff wurde von J. Gilmore Maschinen angetrieben und liegt heute erstaunlich gut erhalten zwischen 35 und 45 Metern Tiefe.
Mit rund 50 Metern Länge bot das Wrack jede Menge zu entdecken. Besonders spannend waren die Einblicke ins Innere des Schiffes. Natürlich musste dabei jeder irgendwo mit der Lampe hineinleuchten, obwohl man genau wusste, dass dort wahrscheinlich nur ein Fisch sitzt.
Titov Vis
Die Titov Vis war einst das Flaggschiff der jugoslawischen Marine und wurde häufig von Josip Broz Tito genutzt. Das 1956 in Pula gebaute Militär und Passagierschiff wurde später absichtlich versenkt, um Kroatiens erstes künstliches Tauchwrack zu schaffen.
Heute liegt das 57 Meter lange Schiff aufrecht zwischen 20 und 32 Metern Tiefe nahe Kap Kamenjak. Der Tauchgang war nicht nur historisch spannend, sondern auch voller Leben. Überall schwammen Fischschwärme durch die Aufbauten und verliehen dem Wrack eine fast mystische Atmosphäre.
Luana
Die Luana war ursprünglich ein Handelsschiff und sank 1943 während des Zweiten Weltkriegs nach einer Minenexplosion. Das rund 70 Meter lange Wrack liegt heute aufrecht zwischen 38 und 48 Metern Tiefe.
Das Wrack ist erstaunlich gut erhalten und von Fischschwärmen umgeben. Durch die leichte Strömung hatte der Tauchgang etwas richtig Dynamisches. Gleichzeitig war schnell klar, dass dieser Platz eher nichts für gemütliche Sonntagstaucher ist. Hier war Erfahrung definitiv von Vorteil.
Kamenjak Caves
Zwischen all den Wracks durfte natürlich auch ein Naturhighlight nicht fehlen. Die Höhlen von Kamenjak waren einfach beeindruckend. Sonnenstrahlen fielen durch die Öffnungen ins Wasser und sorgten für eine fast magische Stimmung. Manche von uns versuchten künstlerische Unterwasserfotos zu machen, andere kämpften einfach nur elegant gegen ihre Tarierung.
Weiter nach Kärnten zum Weissensee
Nach der salzigen Adria ging es weiter nach Kärnten an den wunderschönen Weissensee. Dort warteten bereits Basti und Mimi von Diving Weissensee auf uns. Der Weissensee ist komplett anders als Kroatien. Glasklares Süßwasser, unglaubliche Sichtweiten und eine Ruhe, die man fast schon vergessen hatte. Statt Wellen und salziger Luft gab es Berge, frische Luft und spiegelglattes Wasser.
Besonders cool war das E Schlauchboot, mit dem wir die Tauchplätze erkundeten. Lautlos über den See zu fahren hatte schon fast etwas Meditatives. Also zumindest solange niemand wieder fragte, wer die Snacks eingepackt hat.
Unter Wasser warteten Steilwände, versunkene Bäume und beeindruckend klares Wasser auf uns. Die Tauchgänge waren entspannt und genau der richtige Abschluss für diese Reise.

Fazit
Was beinahe als abgesagte Reise endete, wurde am Ende eine unvergessliche Tauchwoche zwischen Adria und Alpen. Spannende Wracks, beeindruckende Höhlen, entspannte Tauchgänge am Weissensee, gutes Essen und jede Menge Spaß machten diesen Urlaub zu etwas Besonderem.
Und eines steht fest: Die nächste Reise wird garantiert wieder genauso chaotisch geplant!
