Scapa Flow 2025

Scapa Flow – ein Ort voller Geschichte

Unsere Reise begann in Wien, von wo aus wir gemeinsam nach Aberdeen in Schottland flogen. Schon der Flug fühlte sich an wie der Auftakt zu einem Abenteuer in eine andere Zeit. Von dort ging es weiter auf die Orkney Inseln, genauer gesagt nach Kirkwall, der kleinen Hauptstadt dieser rauen, windgepeitschten Inselwelt im Norden Schottlands. Die Überfahrt mit der Fähre war bereits ein Vorgeschmack auf das, was uns erwartete: kalte See, wechselhaftes Wetter und die Ahnung, dass hier unter der Oberfläche Geschichte schlummert.

Scapa Flow in den Orkney Inseln ist weltweit bekannt für seine außergewöhnliche Dichte an Wracks und die eindrucksvolle Geschichte, die sie bewahren. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurden hier 74 Schiffe der deutschen Hochseeflotte interniert. Am 21. Juni 1919 traf Rear Admiral Ludwig von Reuter eine folgenschwere Entscheidung. Aus Angst, die Schiffe könnten in britische Hände fallen, ließ er die gesamte Flotte selbst versenken. 52 Kriegsschiffe sanken an diesem Tag, das größte einzelne Schiffsversenkungsereignis der Geschichte. In den folgenden Jahren wurden viele Wracks gehoben und verschrottet. Doch sieben große Schiffe liegen bis heute auf dem Grund von Scapa Flow, stille Monumente einer vergangenen Epoche zwischen 12 und 45 Metern Tiefe. Heute zählen sie zu den eindrucksvollsten Tauchplätzen der Welt.

Unser Basislager: MV Huskyan

Wir vier aus Österreich, Stefan K., Peter S., Christian H. und Philipp L., reisten an, um diese legendären Wracks zu betauchen. Unser Tauchschiff war die MV Huskyan, ein speziell ausgestattetes 16 Meter langes Tauchboot, das Komfort und Funktionalität perfekt vereint.

Der Einstieg ins Wasser war jedes Mal gleich intensiv. Ein Schritt vom Boot, direkt neben der Leine, und dann der langsame Abstieg in die Tiefe. Mit jedem Meter wurde das Licht schwächer, die Welt stiller und die Strömung stärker. Die Leine war dabei unser einziger sicherer Bezugspunkt in einer Umgebung, die keine Fehler verzeiht.

https://www.huskyan.com/

Wracks

Ein wesentlicher Teil unserer Tauchgänge begann nicht erst im Wasser, sondern bereits an Bord der MV Huskyan. Die Wracks von Scapa Flow wurden uns von Emily T. auf eine so lebendige und mitreißende Weise nähergebracht, dass man das Gefühl hatte, die Schiffe schon vor dem ersten Tauchgang zu kennen. Mit beeindruckenden Bildern, Scans und Zeichnungen sowie ihrer Fähigkeit, Geschichte spannend zu erzählen, ließ sie die Vergangenheit regelrecht zum Leben erwachen.

Ihre Briefings waren weit mehr als reine Tauchvorbereitungen. Sie waren intensive Zeitreisen in die Geschichte der deutschen Hochseeflotte. Jede Vorbesprechung war mindestens genauso fesselnd wie die Tauchgänge selbst, da wir nicht nur wussten, wohin wir tauchen, sondern auch verstanden, was wir dort sehen würden. Geschichten über Einsätze, Schicksale und technische Details machten jedes Wrack zu etwas Persönlichem.

https://www.scapaflowwrecks.com/
http://www.seriousanimation.com/

SMS Dresden – ein stiller Wächter aus Stahl

Die SMS Dresden war ein leichter Kreuzer der Cöln Klasse, 1917 in Kiel gebaut und eines der letzten fertiggestellten Schiffe dieser Serie. Ihr Einsatz kam spät im Krieg, als die deutsche Marine bereits unter starkem Druck stand.

Unser Tauchgang begann am Heck beim hinteren 5,9 Zoll Geschütz. Von dort arbeiteten wir uns durch die Offiziersquartiere, vorbei an Spuren der Bergung, bis hin zum vorderen Geschütz. Besonders eindrucksvoll war der Bereich rund um die Kommandobrücke, der in die beschädigten Decksstrukturen übergeht. Nach einem letzten Blick auf den Bug begann der Aufstieg zurück aus einer Welt aus Stahl und Geschichte.

SMS Cöln – vom Krieg gezeichnet, von der Natur zurückerobert

Die SMS Cöln, ebenfalls ein Kreuzer der Cöln Klasse, wurde 1916 in Hamburg gebaut. Sie war Teil einer neuen Generation schneller Kriegsschiffe, doch ihre Einsatzzeit war kurz.

Wir starteten unseren Tauchgang an den Davits, den Überresten der Beiboorkräne. Danach führte uns der Weg durch Bereiche schwerer Bergungsschäden bis hin zu einem erhaltenen Torpedo. Am Bug angekommen bot sich ein beeindruckendes Bild, eine Struktur, die langsam von Meereslebewesen überwachsen wird und Technik sowie Natur miteinander verbindet.

SMS Bayern – nur noch ihre Türme

Die SMS Brummer war ein schneller Minenleger, der durch seine Tarnung als britisches Schiff bekannt wurde. 1917 versenkte sie in einem überraschenden Angriff mehrere britische Schiffe.

Unser Tauchgang führte uns vom Heck bis zum Bug. Wir folgten den Minenschienen, passierten die Turbinenräume und erkundeten die noch gut erkennbaren Geschützstellungen.

Die König Klasse – Giganten auf dem Meeresgrund

Die Schlachtschiffe der König Klasse waren das Rückgrat der deutschen Hochseeflotte im Ersten Weltkrieg. König, Großer Kurfürst, Markgraf und Kronprinz nahmen an nahezu allen großen Seeschlachten teil, darunter auch der Skagerrakschlacht.

Kronprinz Wilhelm

Die Kronprinz Wilhelm liegt heute kopfüber auf dem Meeresboden. Wir begannen bei den riesigen Geschütztürmen und tauchten entlang des beeindruckenden Hecks, vorbei an den gigantischen Ruderanlagen, ein surrealer Anblick gewaltiger Ingenieurskunst.

SMS König

Auch die SMS König liegt auf dem Deck. Wir erkundeten den Bereich der Turbinen, die Panzerung und die Überreste der schweren Artillerie. Jeder Abschnitt dieses Wracks vermittelt ein Gefühl von Macht und Zerfall zugleich.

SMS Markgraf

Bei der Markgraf starteten wir am Heck bei den Rudern und arbeiteten uns entlang der Bordwand nach vorne. Besonders eindrucksvoll war der sogenannte Gun Run entlang der Kasemattgeschütze, ein Spaziergang entlang der Geschichte des Seekriegs.

SMS Brummer – Tarnung und Angriff

Die SMS Brummer war ein schneller Minenleger, der durch seine Tarnung als britisches Schiff bekannt wurde. 1917 versenkte sie in einem überraschenden Angriff mehrere britische Schiffe.

Unser Tauchgang führte uns vom Heck bis zum Bug. Wir folgten den Minenschienen, passierten die Turbinenräume und erkundeten die noch gut erkennbaren Geschützstellungen.

F2 und YC21 – Technik und Nachkriegschaos

Die F2 war ein deutscher Begleit und später Torpedobergungskutter aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Zusammen mit dem gesunkenen Lastkahn YC21 bietet dieses Doppelwrack ein spannendes technisches Zeitfenster.

Wir erkundeten Maschinenräume, eine 4,1 Zoll Geschützstellung und die verstreuten Überreste des Barges. Besonders faszinierend war der Kontrast zwischen den beiden Wracks, militärische Technik und improvisierte Nachkriegslogistik auf

Fazit – Tauchen im Schatten der Geschichte

Scapa Flow ist kein gewöhnliches Tauchgebiet. Es ist ein Ort, an dem Geschichte nicht in Museen liegt, sondern auf dem Meeresboden ruht, greifbar, monumental und still. Jeder Tauchgang war eine Reise durch Zeit und Technik, durch Krieg und Vergänglichkeit. Und obwohl die Wracks stumm sind, erzählen sie mehr als genug. Man muss nur hinabsteigen und zuhören.

Wenn du dir eine Zusammenfassung der Reise ansehen willst, findest du sie auf YouTube.