Tauchurlaub Zypern 2026

Tzatziki bis die Wrack zu eng wurden Wracks

Drei Taucher, eine Insel und jede Menge rostiger Stahl. Dominik L., Sabine W. und Philipp L. haben auf Zypern ihren Wrackwahnsinn so richtig ausgelebt. Acht Tage lang ging es ins Wasser, und fast jedes Mal stand ein Wrack auf dem Plan. Dominik und Sabine haben im Zuge des Urlaubs ihren Advanced-Wreck-Kurs absolviert. Und wo ginge das besser als an der Zenobia, einem der besten Wracks der Welt? Herzlichen Glückwunsch, ihr zwei!

Insgesamt kamen 15 Tauchgänge zusammen: vier Wracks, ein Riff in Nordzypern, ein Unterwasser-Skulpturenpark und eine Meereshöhle. Dazwischen gab es reichlich Tzatziki und Halloumi, weshalb uns die Türen in den Wracks gegen Ende verdächtig eng vorkamen. Hier ist unser Rückblick, Wrack für Wrack.

Elpida

Was gibt es Besseres, als einen Tauchurlaub mit „Hoffnung“ zu beginnen? Elpida ist Griechisch für Hoffnung. Der ehemalige Frachter fuhr jahrzehntelang durchs Mittelmeer, bevor er 2019 vor Ayia Napa absichtlich versenkt wurde, um als künstliches Riff neuen Lebensraum zu schaffen.

Heute steht die Elpida aufrecht auf sandigem Grund in etwa 25 bis 30 Metern Tiefe. Rumpf, Laderäume und Brücke sind schon jetzt Zuhause für Fischschwärme, Zackenbarsche und erste Korallen. Zu diesem Zeitpunkt passten wir übrigens noch problemlos durch jede Luke.

Liberty

Die Liberty ist ein rund 37 Meter langer Frachter, der 2009 vor Protaras als künstliches Riff versenkt wurde. Sie war eines der ersten Projekte dieser Art auf Zypern.

Sie steht aufrecht im Sand auf etwa 18 Metern, umgeben von glasklarem Wasser. Deck, Steuerhaus und Laderäume lassen sich entspannt erkunden und sind heute Heimat für Zackenbarsche und Fischschwärme.

Nemesis III

Die Nemesis III war früher ein Fischtrawler in zypriotischen Gewässern und wurde 2013 ebenfalls vor Protaras versenkt. Sie liegt auf sandigem Grund in etwa 26 Metern Tiefe, und auf ihrem Rumpf siedelt sich immer mehr Leben an.

Ihr Name stammt von Nemesis, der griechischen Göttin der Vergeltung. Irgendwie passend, dass ein Fischerboot die Fische heute beschützt, statt sie zu fangen.

Zenobia

Die Zenobia war eine nagelneue schwedische Ro-Ro-Fähre, 172 Meter lang, auf ihrer Jungfernfahrt von Griechenland Richtung Syrien. Ein Fehler im computergesteuerten Ballastsystem brachte sie in Schieflage, sie wurde in den Hafen von Larnaka gebracht. Am 7. Juni 1980 kenterte sie und sank direkt vor der Küste. Zum Glück kam niemand ums Leben.

Heute liegt sie auf ihrer Backbordseite in 16 bis 42 Metern Tiefe und gehört regelmäßig zu den besten Wracktauchgängen der Welt. Wir waren acht Mal dort, und es wurde nie langweilig. Nur eben jedes Mal ein bisschen enger.

https://de.wikipedia.org/wiki/Zenobia_(Schiff)

Die LKW am Meeresgrund

Beim Kentern hatte die Zenobia über 100 Lastwagen an Bord, bestimmt für den Nahen Osten. Viele rissen sich von ihren Verzurrungen los und stürzten von den Fahrzeugdecks auf den Meeresboden. Dort liegen sie bis heute verstreut neben dem Wrack, manche aufrecht, manche auf der Seite, einige übereinander. Ein gespenstischer Parkplatz unter Wasser.

Der Hilfsmaschinenraum

Tief im Rumpf liegt der Hilfsmaschinenraum mit den Generatoren und Maschinen, die die Systeme des Schiffs versorgten. Ausgerechnet ein Fehler in diesen Systemen pumpte 1980 Wasser in die falschen Tanks und brachte die Zenobia zum Sinken.

Wir waren gleich zweimal drin. Da die Fähre 1979 vom Stapel lief und auf ihrer ersten Fahrt sank, liefen die Generatoren und Pumpen nur wenige Monate. Rohre, Ventile, Anzeigen und Schalter sind noch alle da, seitlich gekippt in der Dunkelheit. Mit der Lampe hindurchzutauchen fühlt sich an wie eine Zeitreise.

Die Cafeteria

Als Ro-Ro-Fähre transportierte die Zenobia nicht nur LKW, sondern auch deren Fahrer. In der Cafeteria trafen sich Crew und Fahrer auf den langen Überfahrten zum Essen. Heute liegt der Raum auf der Seite, Wände sind zu Böden geworden, und statt Gästen sind nur noch Fische da. Wir haben kurz nach Halloumi gesucht. Leider erfolglos.

Der blaue Lada

Zur Ladung gehörte auch ein kleiner blauer Lada. Die sowjetische Automarke wurde ab 1970 von AvtoVAZ gebaut, basierte auf dem Fiat 124 und war in ganz Osteuropa und im Nahen Osten unterwegs. Dieser Lada hat seinen neuen Besitzer nie erreicht und ist heute einer der beliebtesten Fotospots am Wrack. Vermutlich das bekannteste geparkte Auto Zyperns.

Der Maschinenraum

Zum Schluss ging es ins Herz des Schiffs. Im Hauptmaschinenraum stehen die gewaltigen Motoren, die die Fähre über das Mittelmeer brachten. Als sie 1980 in Schieflage geriet, lag sie mehrere Tage vor Larnaka, während die Crew versuchte, das Problem zu lösen. Doch das Wasser im Rumpf verlagerte sich immer weiter, bis sie kenterte.

Der Maschinenraum gehört zu den tiefsten und anspruchsvollsten Bereichen des Wracks: dunkel, still und riesig. Und nach einer Woche Tzatziki gefühlt der engste.

Abseits der Wracks

Ganz ohne Abwechslung ging es dann doch nicht: Zwischen den Wracks gab es ein Riff mit ordentlich Strömung, eine Burg aus dem Mittelalter, einen Unterwasser-Skulpturenpark und eine Meereshöhle.

Zephos Reef

An Tag 4 ging es in den Norden der Insel, wo wir mit Cyprus Dive Shack das Zephos Reef getaucht haben. Die Strömung dort war der Wahnsinn: Wir hingen teilweise eher wie Fahnen am Riff, als dass wir getaucht sind. Wenigstens hat das ein paar Kalorien vom Halloumi verbrannt.

https://www.cyprusdiveshack.com/index.php/en

St. Hilarion Castle

Die Burg thront hoch über der Nordküste. Sie geht auf einen Einsiedler namens Hilarion zurück, wurde von den Byzantinern zur Festung ausgebaut und diente später den Lusignan-Königen als Sommerresidenz. Der Legende nach soll sie sogar Disney als Vorbild für das Schloss in Schneewittchen gedient haben. Ob das stimmt, ist nicht belegt, aber die Aussicht ist in jedem Fall märchenhaft.

MUSAN

MUSAN, das Museum of Underwater Sculpture Ayia Napa, wurde 2021 eröffnet und ist einer der ersten Unterwasserwälder der Welt. Geschaffen hat es der britische Künstler Jason deCaires Taylor: über 90 Skulpturen von Bäumen und Menschen, darunter spielende Kinder.

Die Skulpturen bestehen aus pH-neutralen Materialien, auf denen sich Meeresleben ansiedeln soll. So wird die Kunst mit der Zeit zum lebenden Riff. Der große Vorteil: Hier ist nichts eng.

Meereshöhle

Die Küste rund um Ayia Napa und Cape Greco ist berühmt für ihre Meereshöhlen, die Wellen und Strömung über Jahrtausende in den weichen Kalkstein gegraben haben. Unter Wasser öffnen sie sich zu Höhlen, Tunneln und Durchgängen voller Licht und Schatten.

Der Legende nach lebte hier einst der Zyklop, der einäugige Riese aus der griechischen Mythologie, andere Geschichten erzählen von Piraten und ihren Schätzen. Riesen und Gold haben wir nicht gefunden, aber das Licht, das durch die Öffnungen fällt, war Schatz genug.

Fazit

Zypern hat uns voll überzeugt. Die Zenobia allein ist schon eine Reise wert. Wir waren acht Mal dort und hätten noch viele weitere Tauchgänge machen können, ohne dass es langweilig wird. Dazu kommen die kleineren Wracks vor Ayia Napa und Protaras, der Skulpturenpark MUSAN und die Höhlen an der Küste, die für Abwechslung sorgen.

Warmes, klares Wasser, kurze Wege und Tauchplätze mit echter Geschichte: Zypern steht ab sofort ganz oben auf unserer Liste. Wir kommen sicher wieder.